Als ich 1997 das erste Mal dem Chen Stil Taijiquan begegnete, war ich auf der Suche nach etwas, das mich aus dem Kreislauf immer wiederkehrender Krankheiten und körperlichen Unwohlseins befreien könnte. Seit frühester Jugend geplagt von Migräneanfällen, hatte ich schon vieles ausprobiert, da ich begriffen hatte, dass, um in einen Zustand der Abwesenheit von Krankheit zu gelangen, der Körper und das Immunsystem gestärkt werden müssen. Leider brachten die von mir unternommenen Anstrengungen nicht die gewünschten Resultate.

Über die Heilpraktikerin Annette Jonas, bei der ich mich zu der Zeit in Behandlung befand, kam ich das erste Mal mit dem Taijiquan in Kontakt. Ihr Unterricht fand zu früher Stunde im Park statt und es dauerte eine Weile, den wahren Wert der angebotenen Übungen zu erkennen. Sport hieß für mich bis dahin jedoch immer viel und schnell bewegen. Die nun ausgeführten Übungen waren allerdings genau das Gegenteil, sehr langsam, und ich tat mich anfänglich sehr schwer mit der Geschwindigkeit.

Über Annette Jonas lernte ich dann ihren Mitbewohner Meister Jan Silberstorff und seinen Verband, die WCTAG, kennen. Meister Silberstoff hatte diesen deutschen Zweig des Weltverbandes WCTA einige Jahre zuvor gegründet und es sich zum Ziel gesetzt, Chen Stil Taijiquan dem breiten Publikum zu vermitteln. So begann ich seinen Wochenunterricht und seine Wochenendseminare zu besuchen.

Und schließlich die erste Begegnung mit Großmeister Chen Xiaowang, Begründer des Weltverbandes WCTA, auf einem Seminar in Hamburg. Ich war tief bewegt von seinem Können.

Danach begann ich mich ernsthaft der Materie zu widmen, neben dem Wochenunterricht und den Wochenendseminaren folgten Trainingsaufenthalte in China, Privatunterricht bei Großmeister Chen Xiaowang in Australien, zahlreiche Besuche seiner Seminare weltweit und die Übernahme des Managements der WCTAG. Hinzu kamen erfolgreiche Teilnahmen an Form- und Pushhandsturnieren sowie Meditationsaufenthalte in Sri Lanka.

Um die von mir erworbenen Erkenntnisse mit anderen teilen zu können, legte ich alle in der WCTAG angebotenen Prüfungen ab und wurde 2007 die erste weibliche Ausbilderin. Ab 2005 begann ich zu unterrichten. Aus diesem Unterricht sind mittlerweile zahlreiche Kursleiter und Lehrer hervorgegangen.

Das Bewusstsein zu entwickeln, dass Taijiquan viel mehr ist als nur Bewegungsabläufe, ein System mit unendlicher Vielfalt und Tiefe, eine Methode wirkliche Veränderungen in sich Selbst zu vollbringen, kommt erst allmählich. Mein Weg ist noch lange nicht zu Ende und ich hoffe, durch mein Streben auch für andere eine Quelle der Inspiration auf ihrem Weg des Taijiquan zu sein.

Vita Übersicht:

1988-92 Ausbildung zur Übungsleiterin des deutschen Sportbundes Niedersachsen, Bereich Gesundheitssport und Wirbelsäulen Gymnastik
1997-2007 Ausbildung in Chen Stil Taijiquan durch die WCTAG
2000 Übungsleiterin
2002 Kursleiterin
2004 Lehrerin
2007 Ausbilderin
2013 Zertifizierung durch Großmeister Chen Xiaowang
2015 Zertifizierung durch Großmeister Chen Xiaowang


Claudia and Diego Mohr